Schreibretraite

Die Schreibretraite ermöglicht es den Doktorierenden des IBW, während drei vollen Tagen konzentriert an einer wissenschaftlichen Arbeit zu schreiben. Beim Schreibprodukt kann es sich um einem Artikel oder um ein Kapitel der Dissertation handeln. Ein Inputreferat einer Expertin zum Thema Schreiben macht die Teilnehmenden mit den Hürden und den Sonnenseiten des Schreibprozesses bekannt. In Zweiergruppen oder in Kleingruppen besprechen die Teilnehmenden zudem ihre Schreibprodukte miteinander.


Schreibretraite

Anmeldung

Die Teilnehmendenzahl ist auf 12 begrenzt. Sollten sich mehr als 12 Doktorierende für die Schreibretraite anmelden, trifft die Direktion eine Auswahl.
Die Anmeldung erfolgt über die Doktoratskoordination mit einer kurzen Begründung, inwiefern gerade dieses Angebot zur eigenen Doktoratsausbildung beiträgt.

Zeit und Ort

  • Zeit: 16.-18. März 2023
  • Ort: Klosterhotel Kreuz, Mariastein

Ziele
Fokussiertes Schreiben, Vernetzung unter den Doktorierenden, Rückmeldung zu Schreibprozessen und -produkten, Fertigstellung des geplanten Schreibprojektes

Leistungsüberprüfung (2 KP)
Aktive Teilnahme an der Schreibretraite.

Teilnahmevoraussetzungen
Die Teilnehmenden vertiefen sich in ihr Schreiben und nehmen den Input als Anlass, bereits verfestigte Verhaltensmuster zu hinterfragen und anzupassen.

Kosten
Das IBW übernimmt die Kosten für die Reise, Unterkunft und Verpflegung.

Leitung
Prof. Dr. Elena Makarova und Prof. Dr. Susanne Metzger mit Inputs zu wissenschaftlichem Schreiben von Mitarbeitenden des Schreibzentrums der Universität Basel.

 


Ein Kurzbericht über die Schreibretraite 2022

Beim dritten Versuch ist es endlich gelungen und die Schreibretraite konnte aufgrund der Aufhebung von Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie stattfinden. Nach einer langen COVID-19-bedingten Durststrecke, innerhalb des eigentlich sehr sozialen Rahmens einer Doktoratsausbildung, freuten sich die dreizehn Doktorierenden umso mehr über das Zusammenkommen. Die Doktorierenden konnten von der dreitätigen Schreibretraite auf mehreren (Kompetenz-)Ebenen profitieren, wie der folgende Bericht kurz darlegt.

Nach Ankunft im Klosterhotel Kreuz in Mariastein bezogen die Doktorierenden und Leitenden der Schreibretraite ihre Zimmer. Das Hotel diente in früheren Zeiten den Mönchen und Nonnen als Wohnstätte. Heute übernachten Ruhesuchende, Seminarteilnehmende oder eben Doktorierende des IBW darin. Nach einer kurzen Kennenlernrunde der Personen und Projekte folgte sogleich ein Referat von Prof. Dr. Afra Sturm, Leiterin Zentrum Lesen der PH FHNW zum wissenschaftlichen Schreiben als "Jonglieren". Die Referentin zeigte darin auf, dass das wissenschaftliche Schreiben als Enkulturationsprozess innerhalb der eigenen Forschungsdomäne verstanden werden kann. Dabei geht es um die Annäherung an die domänenspezifischen Genres und Textsorten, welche eng verbunden mit den Erwartungen der wissenschaftlichen Community und den Herausgebern von Zeitschriften etc., also mit den Praktiken relevanter Akteure, verbunden sind. Dieser Auffassung nach inkorporieren Doktorierende im Prozess des Schreibens die Praktiken ihrer wissenschaftlichen Community. Gleichzeitig entwickeln sie eine entsprechende Identität und positionieren sich innerhalb dieser Gemeinschaft.

Nach dem Referat folgten zwei Workshops, in denen die Doktorierenden in Gruppen über ihr eigenes Schreibverhalten reflektierten. Obschon der aktuelle Schreibstand der Teilnehmenden massgeblich divergierte, wurden viele Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede erkenntlich. So greifen die meisten auf Hilfstexte zurück und systematisieren das Schreiben mit bestimmten Abläufen und auch Computerprogrammen. Mit letzteren werden unter anderem die zurückgelegten Schritte protokolliert, die weiteren Vorhaben aufgelistet und Literatur in einem feingliedrigen Netz von Ordnern oder Kategorien abgelegt/abgerufen. Mithilfe eines theoretischen Modells der Kursleiterin konnten die Teilnehmenden die Puzzleteile ihres Schreibens neu anordnen und hinterfragen. Welche Ziele, Werkzeuge und (Schreib-)Handlungen führen zu welchem Schreibprodukt und wie hängen diese Teile zusammen? Das Schreibmodell nach Graham wurde danach um die soziale Ebene ergänzt. Darin stellten sich folglich Fragen wie: Wer sind Schreiber*innen und Kollaborateur*innen beim Verfassen eines Textes und welche Rolle spielt darin die Schreibcommunity?

Gegen Ende des ersten Tages blieb den Doktorierenden Zeit, eigene (neue) Schreibpläne zu erstellen, die das Schreiben für einige Wochen portionieren und sequenzieren sollten. Die herausfordernde Analyse des IST-Zustandes und die Definition des SOLL-Zustandes markierte gewissermassen den Startpunkt der individuellen Schreibphase. An den folgenden zwei Tagen konnten sich die Doktorierenden in ihr persönliches Schreibprojekt vertiefen und dabei einerseits von Peer-Feedback und anderseits von einer Schreiberatung der Leitenden (Prof. Dr. Stefan Keller und Prof. Dr. Afra Sturm) profitieren. Fixe Tageszeitpunkte (Frühstück, gemeinsamer Start, Mittag- und Abendessen) strukturierten den Tag und boten Anlass zum Austausch über das Schreiben und das Promovieren im Allgemeinen. Die Teilnehmenden formten sich in kurzer Zeit zu einer (Schreib-)Community. Darüber hinaus entstanden inhaltliche, aber auch persönliche Anknüpfungspunkte zwischen den Doktorierenden. In diesem Sinne fungierte die Schreibretraite auch als Vernetzungsanlass mit vielen interessanten und lustigen Momenten, die Teilnehmenden zusammenschweissten. Ein unvergesslicher Anlass also, dank dem die Doktorierenden in neuen oder gestärkt bewährten Bahnen an ihrer Dissertation weiterschreiben können.

Zuletzt noch ein Tipp von Eliane Gilg: Beim Schreiben sollte man sich Basis-, Norm- und Held*innenziele setzen, mit denen eine angemessene Erwartungshaltung an die eigene Leistung entwickelt werden kann, ein Vorankommen erleichtert und nicht zuletzt motiviert.

Tomas Kaqinari, Doktorand und Doktoratskoordinator