Perspektiven auf Technik – Entwicklung eines Messinstruments zur Erfassung des Technikverständnisses von (angehenden) Lehrpersonen

Promovend: Manuel Haselhofer, manuel.haselhofer@clutterfhnw.ch
Gutachtende: Prof. Dr. Susanne Metzger (PH FHNW), Prof. Dr. Christian Schönenberger (Universität Basel), Prof. Dr. Wilfried Schlagenhauf (PH Freiburg)
Laufzeit: HS 2018 - HS 2022

Fragestellung des Projekts
FF 1: Wie lässt sich das Technikverständnis von Lehrpersonen reliabel und valide messen?

FF 2: Welche Zusammenhänge zeigen sich zwischen einzelnen Konstituenten des Technikverständnisses (z.B. Merkmalsbündel Technik, technischen Handlungen, Dimensionen von Technik)?

FF 3: Welche Zusammenhänge zeigen sich zwischen dem Technikverständnis und personenbezogenen Faktoren der Lehrpersonen (z.B. Ausbildungshintergrund, Berufserfahrung, Geschlecht, Einstellungen, Überzeugungen, Selbstwirksamkeitserwartung der Befragten und weitere)?

Methodisches Vorgehen
Zur Beantwortung der Forschungsfragen werden verschiedene Erhebungs- und Auswertungsmethoden eingesetzt. Auf eine zunächst literaturbasierte Entwicklung des Technikverständnisses und dessen Modellierung folgt ein Expertenratingverfahren zur inhaltlichen Validierung in teilstandardisiertem Vorgehen. Die Auswertung erfolgt einerseits durch deskriptive Verfahren, anderseits anhand von am Material generierten Kategorien. Daran schliesst die Entwicklung des Erhebungsinstruments an, indem das validierte Modell in Items überführt und daraufhin in einem insgesamt zweiten Expertenratingverfahren inhaltlich validiert wird. Darauffolgend lässt sich das Erhebungsinstrument im Rahmen einer Pilotstudie überprüfen. Darüber hinaus ist vorgesehen, das Erhebungsinstrument in grosser Stichprobe (N = 350) zu validieren und mithilfe von Reliabilitäts- und Faktorenanalysen auszuwerten.

Theoretischer Bezugsrahmen
Weder in internationaler noch nationaler Fachliteratur sind Erhebungen zum Technikverständnis von Lehrpersonen zu finden. Für den Bereich Technischer Bildung lassen sich im deutschsprachigen Raum jahrzehntelang geführte Diskurse und eine Vielzahl normativ-hermeneutischer Arbeiten finden, insbesondere zu ihrer Konzeption, Charakteristik, Bedeutung und den von ihnen intendierten Bildungsstandards (vgl. u.a. Sachs 1979, 2001, Schlagenhauf 1997, 2001 a, 2001 b, 2016, Schmayl 1995, 2013, VDI 2007, DGTB 1996-2016, Stuber 2016). Dabei werden ihr im Wesentlichen drei Anwendungsfelder zugewiesen: Technische Bildung in der Allgemeinbildung, in der beruflichen Bildung sowie in der Hochschulbildung (vgl. Pittich, Tenberg & Zinn 2018), wobei die Promotion im erstgenannten Feld anzusiedeln ist. Im Allgemeinen zeigt sich die fachdidaktisch-empirische Forschung im Feld Technischer Bildung jedoch als wenig entwickelt und kaum systematisch erfasst, wenngleich Unterschiede in deutsch- und englischsprachigen Publikationen festzustellen sind. Insbesondere in den USA und Skandinavien sind vereinzelt empirische Arbeiten unterschiedlicher Komplexität zu finden (vgl. beispielsweise Dugger 2006, Rodgers 2005, Daugherty 2005, Harrison & Reed 2016, Eckman, Williams & Silver-Thorn 2016, Gumaelius & Fahrman 2016, Hartell 2015, Svärd, Schönborn & Hallström 2016, de Vries 2018). Bezüglich technischer Literalität sind jedoch weiterhin zentrale Forschungsperspektiven und -lücken ausgewiesen. Zu nennen sind u.a. Forschungsdesiderate hinsichtlich der Weiterentwicklung der Fachdidaktik Technik allgemein, zur Kompetenzmodellierung und zum Kompetenzerwerb sowie zur Weiterentwicklung der Lehrpersonenbildung (vgl. Zinn 2014). Geht man von der grossen Bedeutung der Lehrperson (vgl. Hattie 2008, Seidel 2011) und deren Beliefs (vgl. z.B. Törner 2002, Grigutsch, Raatz, & Törner 1997) für die Konzeption und Durchführung von Unterricht aus, erscheint die Untersuchung des Technikverständnisses von (angehenden) Lehrpersonen von besonderer Relevanz. Entsprechende Erhebungsinstrumente fehlen bisher jedoch. Dabei ist insbesondere zu klären welche Merkmale Technik zuzuordnen sind.

Das Technikverständnis im vorliegenden Dissertationsvorhaben orientiert dabei u.a. an der Auffassung von Technik, wie sie in einer «Allgemeinen Technologie» Rohpolscher Prägung konzeptualisiert ist (vgl. Ropohl 2009). Hierbei handelt es sich um ein fachwissenschaftlich ausformuliertes Strukturprinzip, welches für sich in Anspruch nimmt, die allgemein verbindenden sach- und soziotechnischen Elemente von Technik herauszuarbeiten sowie allgemeine und disziplinübergreifende Strukturen der Technik als Metatheorie bereitzustellen (vgl. ebd., Banse 1997). Es beschreibt in hoher Allgemeingültigkeit die Gemeinsamkeiten in den auseinanderdriftenden Einzeldisziplinen der Technik (vgl. Schlagenhauf 2009, Fletcher, de Vries & Max 2018).

Arbeitsstand
Work in progress
: Das Promotionsprojekt ist mit der Herausforderung konfrontiert, einen den Phänomenbereich der Technik weder verkürzenden und dennoch handhabbaren Technikbegriff herzuleiten, unter erkenntnistheoretischen Gesichtspunkten zu legitimieren und als Grundlage für die darauffolgende Erhebung zu modellieren. Derzeit befindet sich das Promotionsvorhaben in der Entwicklungs- und Operationalisierungsphase. Die theoriegeleitete Entwicklung eines deskriptiven Arbeitsmodells aus fachwissenschaftlichen (allgemeintechnologischen) und fachdidaktischen Erkenntnissen zur Erhebung des Technikverständnisses bei Lehrpersonen ist inklusive erstem Expertenrating nahezu abgeschlossen.

Die Literaturliste kann auf Nachfrage beim Promovierenden angefordert werden.