Promovend: Marino Schmid
Keywords: Mathematik, Fachdidaktik, diagnostische Kompetenz, Arithmetik, Lehrpersonenbildung
Gutachtende: Prof. Dr. Kathleen Philipp (Pädagogische Hochschule FHNW), Prof. Dr. Jiří Černý (Universität Basel), Prof. Dr. Andreas Eichler (Universität Kassel)
Projektbeginn: HS 2026

Abstract
Die diagnostische Kompetenz (Weinert, 2000) von Lehrpersonen gilt als ein zentraler Bestandteil von Lehrpersonenprofessionalität (Leuders et al., 2018). Im Mittelpunkt diagnostischer Kompetenz steht in der Dissertation das diagnostische Denken, also der Prozess, in dem Informationen aus Schüler:innenlösungen mit professionellem Wissen verknüpft werden, um Hypothesen über das mathematische Verständnis von Lernenden zu entwickeln und diagnostische Urteile zu fällen (Loibl et al., 2020). Obwohl diagnostische Kompetenz in der Mathematikdidaktik zunehmend erforscht wird, ist bislang nur begrenzt geklärt, wie unterschiedliche Wissensarten nach Shulman (1986) sowie weitere Personenmerkmale das diagnostische Denken beeinflussen und wie dieses wirksam gefördert werden kann.

Die Dissertation ist im SNF- und DFG-geförderten Projekt «Fostering diagnostic competence in mathematics teacher education with a specific focus on teachers’ diagnostic thinking» verankert und soll einen Beitrag zur Schliessung dieser Lücken leisten. Im Zentrum steht die Frage, welchen Einfluss unterschiedliche Förderansätze auf die Entwicklung diagnostischen Denkens bei angehenden Primarlehrpersonen haben. Dabei werden ein fachdidaktisch fokussierter Ansatz (Philipp & Gobeli-Egloff, 2022), ein allgemeinpädagogisch fokussierter Ansatz (Eichler et al., 2023) sowie ein neu entwickelter integrativer Ansatz miteinander und mit einer Kontrollgruppe ohne Förderung verglichen. Darüber hinaus werden die Nachhaltigkeit der Förderwirkungen, die Rolle verschiedener Personenmerkmale, wie Beliefs oder Motivation, sowie mögliche Unterschiede zwischen den Ausbildungskontexten der Schweiz und Deutschlands untersucht.

Das Promotionsvorhaben folgt einem quasi-experimentellen Pre-Post-Follow-up-Design mit Lehramtsstudierenden der PH FHNW und der Universität Kassel. Ein zentraler Bestandteil des Projekts – und damit der Dissertation – ist die Entwicklung eines neuen Instruments zur Erfassung diagnostischen Denkens auf der Grundlage authentischer Schüler:innenlösungen. Die Auswertung erfolgt mittels eines induktiv und deduktiv entwickelten Kodiersystems sowie statistischer Verfahren zur Analyse von Interventionswirkungen und Einflussfaktoren.

Die Dissertation leistet einen theoretischen, methodischen und empirischen Beitrag zur Forschung über diagnostische Kompetenz von Mathematiklehrpersonen. Innovativ sind insbesondere die Entwicklung eines neuen Messinstruments für diagnostisches Denken sowie die systematische und internationale Untersuchung unterschiedlicher Förderansätze in der mathematikdidaktischen Lehrer:innenbildung im Bereich diagnostischer Kompetenz. 

Literatur
Chernikova, O., Heitzmann, N., Fink, M.C., Timothy, V., Seidel, T., & Fischer, F. (2020). Facilitating diagnostic competences in higher education—a meta-analysis in medical and teacher education. Educational Psychology Review, 32(1), 157–196. https://doi.org/10.1007/s10648-019-09492-2

Eichler, A., Rathgeb-Schnierer, E., & Volkmer, J. P. (2023). Das Beurteilen von Lernprodukten als Facette diagnostischer Kompetenz fördern. Journal für Mathematik-Didaktik, 44(1), 29–58. https://doi.org/10.1007/s13138-022-00216-8

Leuders, T., Philipp, K., & Leuders, J. (Hrsg.). (2018). Diagnostic Competence of Mathematics Teachers. Springer International Publishing. https://doi.org/10.1007/978-3-319-66327-2

Loibl, K., Leuders, T., & Dörfler, T. (2020). A Framework for Explaining Teachers’ Diagnostic Judgements by Cognitive Modeling (DiaCoM). Teaching and Teacher Education, 91, 1. https://doi.org/10.1016/j.tate.2020.103059

Philipp, K., & Gobeli-Egloff, I. (2022). Förderung diagnostischer Kompetenz im Rahmen der Ausbildung von Lehrkräften für die Primarschule. Eine Studie zum Erkennen von Stärken und Schwächen von Schülerinnen und Schülern am Beispiel von Größen. Journal für Mathematik-Didaktik, 43(1). https://doi.org/10.1007/s13138-022-00202-0

Shulman, L. S. (1986). Those who understand: Knowledge growth in teaching. Educational researcher, 15(2), 4–14.

Weinert, F. E. (2000). Lehren und Lernen für die Zukunft-Ansprüche an das Lernen in der Schule. Nachrichten der Gesellschaft zur Förderung Pädagogischer Forschung, 2, 4–23.

 

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