Promovendin: Angela Nyffeler
Keywords: Überarbeitungsprozess, Evaluieren, Revidieren, (Peer-)Feedback, Argumentatives Schreiben, Lernen durch Beobachten, Sekundarstufe I
Gutachtende: Prof. Dr. Afra Sturm (PH FHNW), Prof. Dr. Martin Luginbühl (Universität Basel), Prof. Dr. Yves Karlen (Universität Zürich)
Projektbeginn: FS 2024

Abstract
Im Rahmen des SNF-Projekts REval (Revidieren und Evaluieren argumentativer Texte in Klasse 7) wird die Wirkung von drei Förderansätzen beim Überarbeiten von Texten auf die Textqualität untersucht. Die drei Förderansätze fokussieren das Evaluieren und beinhalten alle ein Peer-Feedback.

In der Dissertation wird der Fokus auf eines dieser Peer-Feedback-Verfahren gerichtet. Dieses beruht auf der Beobachtung von Leser:innen: Eine Gruppe von Schüler:innen beobachtet eine andere, wie diese einzelne Texte liest und diskutiert (Rijlaarsdam et al. 2008, 2009; Moore & MacArthur, 2012; Amir et al. 2021). Während im Gesamtprojekt die Wirksamkeit des Verfahrens untersucht wird, soll in der Dissertation analysiert werden, wie das Evaluieren und Revidieren im Verfahren umgesetzt wird und wie Schüler:innen der 1. Sekundarklasse das Verfahren wahrnehmen.

Theoretische Verankerung
Gerade für Schüler:innen mit geringen Schreibkompetenzen ist die globale Textüberarbeitung eine Herausforderung. Sie fokussieren bei der Überarbeitung eines fertigen Textes insbesondere Oberflächenaspekte und revidieren ihre Texte vorwiegend auf lokaler Textebene (Lindauer, 2021; Van Steendam et al. 2014). Es ist somit zentral, die SchülerInnen bei der Evaluierung von Texten auf die globale Textebene hinzuführen, da insbesondere Revisionen auf der globalen Textebene zu einer Verbesserung der Textqualität führen (MacArthur, 2012).

In bisherigen Studien konnte nachgewiesen werden, dass das Verfahren Redit einen mittleren bis grossen positiven Effekt auf die Verbesserung der Textqualität nach der Überarbeitung eines Textes aufweist (Rijlaarsdam et al., 2008; Moore & MacArthur, 2012; Amir et al. 2021). Nur ansatzweise wurde in Studien untersucht, welche Revisionen nach der Durchführung des Verfahrens umgesetzt werden, was in der Redaktion diskutiert wird (Moore & MacArthur, 2012) und wie Schüler:innen das Verfahren einschätzen (Rijlaarsdam et al., 2008; Amir et al., 2021). Die genauere Analyse des Verfahrensprozesses und der Wahrnehmung des Verfahrens durch die Schüler:innen stellt weitgehend ein Desidarat dar.

Fragestellungen
In der geplanten Dissertation soll das Peer-Feedback-Verfahren Redit genauer analysiert werden. Dabei soll folgenden Fragestellungen nachgegangen werden:

  • Auf welchen Ebenen evaluieren Schüler:innen der Klasse 7 und wie formulieren sie einen Überarbeitungsbedarf?

  • Welche Revisionen führen die Schüler:innen nach der Durchführung des Verfahrens aus?

  • Wie wird das Peer-Feedback während der Durchführung umgesetzt? Sind wirksame Komponenten (wie z.B. Angabe von Handlungsmöglichkeiten, Textverankerung des Feedbacks oder Textvergleiche (vgl. Sturm, 2016)) eines Feedbacks vorzufinden?

  • Wie schätzen Schüler:innen und Lehrpersonen das Peer-Feedback-Verfahren ein?

Materialgrundlage und methodischer Zugang
Innerhalb der Interventionsstudie REval wird das Verfahren in insgesamt fünf Schulklassen erprobt (n≈85 SuS). Aus den Interventionen resultieren insgesamt 20 Videografien der Durchführung des Verfahrens (n≈45 SuS) und von allen SuS (n≈85) je zwei Textüberarbeitungen. Weiter werden Audioaufnahmen von Interviews mit Schüler:innen (n=16) und Lehrpersonen (pro EG n≈5–7) zur Wahrnehmung des Peer-Feedback-Verfahrens und des Überarbeitens von Texten im Allgemeinen aufgezeichnet.

Die Auswertung erfolgt anhand einer qualitativen Inhaltsanalyse mit der Daten-Analysesoftware MAXQDA.

Erwarteter Gewinn
Die Untersuchung des Verfahrens Redit als Peer-Feedback durch Beobachtung in einer Gruppe stellt bislang im deutschen Sprachraum ein Desiderat dar, dem sich in der Dissertation angenommen werden soll. Im angloamerikanischen Sprachraum wurde das Verfahren bereits empirisch untersucht – jedoch stand jeweils hauptsächlich dessen Wirksamkeit des beobachtenden Lernens im Zentrum und weniger die Umsetzung des Evaluierens und Revidierens in Bezug auf das Verfahren.

Neben dem wissenschaftlichen Gewinn der Dissertation ist darüber hinaus zu erwarten, dass die in der Dissertation gewonnenen Einsichten für die Konzipierung von Weiterbildungsangeboten für Lehrpersonen und für die Vermittlung von didaktischen Methoden in der Lehrer:innenbildung nutzbar sind.

Literatur
Amir, A., Atkin H. & Rijlaarsdam G. (2021). The case of ‘Yummy Yummy’ – a replication of an intervention program. L1-educational studies in language and literature, 21(1), S. 1–36.

Lindauer, N. (2021). Textproduktion von schwach schreibenden Jugendlichen. Eine empirische Studie zum Schreibprozess im Kontext des persuasiven Argumentierens. Münster: Waxmann.

MacArthur, C. (2016). Instruction in Evaluation and Revision. In C.A. MacArthur, S. Graham & J. Fitzgerald (Hrsg.), Handbook of writing research, 2. Aufl. (S. 272–287). New York: The Guilford Press.

Moore, N. S. & MacArthur, C. A. (2012). The effects of being a reader and of observing readers on fifth-grade students’ argumentative writing and revising. Reading and Writing, 25(6), S. 1449–1478. https://doi.org/10.1007/s11145-011-9327-6

Rijlaarsdam, G., Braaksma, M., Couzijn, M., Janssen, T., Raedts, M., Van Steendam, E. et al. (2008). Observation of peers in learning to write. Practise and research. Journal of Writing Research, 1(1), S. 53–83.

Rijlaarsdam, G., Braaksma, M., Couzijn, M., Janssen, T., Kieft, M, Raedts, M. et al. (2009). The Role of Readers in Writing Development: Writing Students Bringing Their Texts to the Test. The Sage Handbook of Writing Development, S. 436–452.

Sturm, A. (2016). Beurteilen und Kommentieren von Texten als fachdidaktisches Wissen. Leseräume, (3), S. 115–132.

Van Steendam, E., Rijlaarsdam, G., Sercu, L. & Van den Bergh, H. (2010). The effect of instruction type and dyadic or individual emulation on the quality of higher-order peer feedback in EFL. Learning and Instruction, 20(4), S. 316–327. https://doi.org/10.1016/j.learninstruc.2009.08.009.

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