
Leiterin des Instituts für Fachdidaktik der Sprachen und Bildungslinguistik an der Pädagogischen Hochschule Luzern
Lehrbeauftragte an der Universität Basel, Institut für Bildungswissenschaften
Homepage an der PH Luzern
Die kumulative Habilitation von Edina Krompák, die aus acht Fachbeiträgen und einem Rahmentext besteht, befasst sich mit dem transdisziplinären Feld der Educational Linguistics und ihrer Bedeutung im Bildungskontext. Im Jahr 1974 definierte Bernard Spolsky (2010) die Educational Linguistics als ein neues, transdisziplinäres Forschungsfeld, das problem- und praxisorientiert ist, sein Hauptaugenmerk auf Sprache innerhalb der Bildung richtet und sich durch einen stark linguistischen Hintergrund auszeichnet.
Folglich positioniert sich Edina Krompák in den Bildungswissenschaften mit dem im deutschsprachigen Raum kaum bekannten Ansatz der Educational Linguistics. Mit ihrer Habilitation möchte sie dieses Forschungsfeld etablieren und das Verständnis sprachlicher Phänomene im Bildungskontext vertiefen. In ihrer Habilitation strebt sie eine transdisziplinäre und multiperspektivische Annäherung an die Erforschung der Sprache an, indem sie bildungswissenschaftliche, linguistische und soziolinguistische Perspektiven einbindet. Die Notwendigkeit, Sprache innerhalb des Bildungsprozesses stärker zu berücksichtigen, resultiert einerseits aus einer zunehmenden sprachlich-kulturellen Diversität und Pluralität der postmodernen Gesellschaft und andererseits aus der Bestrebung, sprachliche Bildung fächerübergreifend zu etablieren. Angelehnt an den sprachphilosophischen Begriff (Rorty, 1992) bezeichnet Krompák diese Entwicklung als linguistic turn, die eine bewusste multiperspektivische Auseinandersetzung mit Sprache als Medium, Mittel und soziale Praxis (Heller, 2007) in der Bildung verlangt.
Die acht Fachbeiträge werden entlang dreier zentraler Diskurslinien diskutiert: Sprache als soziale Handlung und Praxis (1), Sprache als Medium des Lernens und Lehrens (2) sowie Sprachenpolitik im Bildungskontext (3). Die genannten Aspekte stellen einerseits grundlegende Konzepte der aktuellen Forschung von Edina Krompák dar und spielen andererseits eine relevante, bislang jedoch unzureichend berücksichtigte Rolle im Schulkontext.
Methodisch verortet sich Edina Krompák in der linguistischen Ethnografie, indem sie ethnografische und Mix-Methods-Zugänge in der Erforschung sprachlicher Phänomene anwendet. Hervorzuheben ist dabei insbesondere ihre Expertise im Forschungsfeld und in der Methode der Linguistic Landscape, die eine multimodale und multidimensionale Annäherung zur Sprache ermöglicht. In ihren Forschungsarbeiten dominiert darüber hinaus die partizipative Methode, bei der die Teilnehmenden aktiv in die Datenerhebung und -auswertung einbezogen werden. Dadurch wird die Hierarchie zwischen den Beforschten und Forschenden durchbrochen und ein ko-konstruktiver Wissenstransfer sowie die Ermächtigung der Teilnehmenden ermöglicht.
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass die Habilitation massgeblich dazu beiträgt, den problem- und praxisorientieren Ansatz der Educational Linguistics im deutschsprachigen Raum, insbesondere in der Schweizer Hochschullandschaft zu verankern (Krompák, 2025). Gleichzeitig entfalten sich die Fachbeiträge und der Rahmentext entlang eines kritischen und transdisziplinären Diskurses. Dieser Diskurs fordert die dominante Betrachtungsweise von Sprache als reines Medium des Lernens und Lehrens heraus. Zudem rückt er das Phänomen Sprache als soziale Praxis und Handlung im Bildungskontext in den Mittelpunkt des Erkenntnisinteresses.
Literatur
Heller, M. (2007). Bilingualism as Ideology and Practice. In M. Heller (ed), Bilingualismus. A social approach (pp. 1–22). Palgrave Macmillan.
Krompák, E. (2025). Introduction: critical multimodal literacy. Advancing educational linguistics in teacher education. Educational Linguistics. https://doi.org/10.1515/eduling-2025-0020
Rorty, R. M. (Ed.) (1992). The linguistic turn. Essays in philosophical method.The University of Chicago Press.
Spolsky, B. (2010). Introduction: What is Educational Linguistics? In B. Spolsky & F. M. Hult (Eds.), The Handbook of Educational Linguistics (pp. 1–9). Blackwell.
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Erstbetreuung Masterarbeiten
Betreuung von Promotionen

Mentor Berufsstudien und Dozent Bildungs- und Sozialwissenschaften, Projektunterricht und Klassenlehrerausbildung an der Pädagogischen Hochschule Luzern.
Lehrbeauftragter an der Universität Basel, Institut für Bildungswissenschaften
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Wer sich mit Professionalisierungsprozessen von (angehenden) Lehrpersonen befasst, die bzw. der nimmt in der Regel den Kompetenzerwerb von Professionskompetenzen, die Rollenübernahme im Funktionssystem Schule oder berufsbiografische Entwicklungen von Lehrpersonen in den Fokus.
So rückt einerseits der Erwerb von Professionskompetenzen (exemplarisch Krammer, K., Zutavern, M., Joller, K., Lötscher, H. & Senn, W., 2013) ins Zentrum von Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen. Andererseits stellt Professionalisierung ein Akt der «Status-Rollen-Konfiguration» dar. Drittens wirken biografische und berufsbiografische Zäsuren, Krisen und Erfahrungen auf die Professionalisierungs-prozesse ein bzw. prägen diese deutlich (Reusser & Messner, 2000a, 2000b). Letztlich bedeutet Professionalisierung eben auch – aber wie oben angedeutet, nicht nur - sich eine professionelle bzw. disziplinäre Sprache bzw. eine professionsspezifische Denkweise anzueignen, mit der die Zugehörigkeit zur entsprechenden Profession bzw. zu den entsprechenden Fachdiskursen ersichtlich wird. Ohne diesen professionellen Sprach- und Denkerwerb in Form eines Erwerbs von «professionsspezifischen Frames» (Marti, 2021) kann kein Aufbau von Professionskompetenzen erfolgen, keine «Status-Rollen-Konfiguration» einsetzen, keine Reflexion über Berufsbiografie u. ä. stattfinden.
Sich mit dem professionellen Sprach- und Denkerwerb bzw. mit professionsspezifischen Frames zu befassen, bedeutet folglich und erziehungswissenschaftlich gesprochen, sich mit den «Tiefenstrukturen» der Professionalisierung von Lehrer*innen zu befassen. Hierzu wird die Professionsforschung zur «Lehrer*innenbildung» nicht darum herumkommen, noch stärker interdisziplinäre Sichtweisen auf Professionalisierung in den professionstheoretischen Diskurs einzubringen.
Mit dem Habilitationsvorhaben soll deshalb ein solch interdisziplinäres Verfahren im Dienst der Professionsforschung vorgestellt werden, mit welchem der Professionalisierungsdiskurs bzw. der darin verlaufende, professionsspezifische Spracherwerb bzw. ganz konkret, die innerhalb des Professionalisierungsprozesses stattfindende Festsetzung von «professionsspezifischen Frames» untersucht werden können. Hierfür wird auf frameanalytische, (korpus-)linguistische, kognitionswissenschaftliche und soziologische Methodologie zurückgegriffen. Unterbreitet wird dieser methodische Vorschlag als Beitrag für eine in Zukunft noch stärker interdisziplinär arbeitende Professionsforschung, die gegenwärtige Möglichkeiten wie die computergestützte Frameanalyse nutzt, um die «eigenen» Diskurse zu fassen, Frameablagerungen im Denken von Dozierenden, Studierenden und Lehrer*innen zu verstehen, «professionsspezifische Frames» zu modellieren sowie Schlussfolgerungen für die Lehrer*innenbildung zu ziehen.
Exemplarisch widme ich mich mit der Habilitation dem Diskurs zur «Antinomie pädagogischer Prozesse» und im Besonderen der «Antinomie von Autorität und Autonomie» (vgl. exemplarisch Helsper 2002, Schlömenkemper 2017). Innerhalb dieses Diskurses wird das Praxisfeld von Lehrpersonen als antinomisch, antagonistisch, dialektisch, Dilemma behaftet, dualistisch, durch Paradoxien geprägt, etc. definiert. Folglich wird diese Auffassung einer «Antinomie pädagogischer Prozesse» in der Ausbildung von Lehrer*innen vermittelt, gelehrt, geprüft (Cocard & Tettenborn, 2023). Es lohnt sich somit zu prüfen, welche potenziellen Frames dieser Diskurs allen Beteiligten «zur Verfügung stellt», welcher Bedeutungsgehalt sich zeigt und welche potentiellen Frames als Gebrauchsbedeutung bzw. als «professionsspezifische Frames» in die Argumentationsweise von angehenden Lehrer*innen eingehen.
Mit dem Habilitationsvorhaben verfolge ich schliesslich das Ziel, ein Modell einer frameanalytischen Professionstheorie als Erweiterung der bestehenden drei Perspektiven (kompetenztheoretisch, strukturtheoretisch, berufsbiografisch) zu präsentieren.
Literatur
Cocard, Y. & Tettenborn, A. (2021). In Schule und Unterricht erlebte Praxis reflektieren. Der Studienabschluss im Bereich der Bildungs- und Sozialwissenschaften im Masterstudium der Sekundarstufe I der PH Luzern. In Schweizerische Zeitschrift für Bildungs- und Sozialwissenschaften, 43(1), S. 169-179.
Krammer, K., Zutavern, M., Joller, K., Lötscher, H. & Senn, W. (2013). Referenzrahmen Ausbildung Lehrpersonen: Professionskompetenzen, Handlungsfelder, Kompetenzaspekte. Luzern: Pädagogische Hochschule Luzern.
Helsper, W. (2002). Lehrerprofessionalität als antinomische Handlungsstruktur (S. 64–102). In Kraul, M.; Marotzki, W. & Schweppe, C. (Hrsg.). Biographie und Profession. Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt.
Schlömerkemper, J. (2017). Pädagogische Prozesse in antinomischer Deutung. Begriffliche Klärungen und Entwürfe für Lernen und Lehren. Weinheim & Basel: Beltz Juventa.
Marti, S. (2021). Professionalisierungsprozesse in der Lehrer*innenbildung – frameanalytisch gedeutet.https://www.researchgate.net/publication/354985937_Professionalisierungsprozesse_in_der_Lehrerinnenbildung_-_frameanalytisch_gedeutet
Messner, H.; Reusser, K. (2000a). Die berufliche Entwicklung von Lehrpersonen als lebenslanger Prozess. In Beiträge zur Lehrerbildung 18(2), S. 157-171.
Messner, H.; Reusser, K. (2000b). Berufliches Lernen als lebenslanger Prozess. In Beiträge zur Lehrerbildung, 18 (3), S. 277-294.
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