Autorin: Pauline Lapaque
Gutachtende: Prof. Dr. Elena Makarova, Universität Basel, Prof. Dr. Giuseppe Manno, Pädagogische Hochschule FHNW,
Projektdauer: 2022 - 2026
Abstract
Die Integrative Sprachendidaktik (ISD) wird offiziell für den Fremdsprachenunterricht auf der Sekundarstufe II in der Schweiz empfohlen (EDK, 2013) und zielt auf die Förderung der Sprachlernbewusstheit sowie des Gebrauchs von Sprachlernstrategien der Lernenden ab (Candelier & Manno, 2023). Die Förderung der Sprachlernbewusstheit als Bewusstheit und Wissen über den eigenen Sprachlernprozess (Neuner, 2005, S. 23, 28) ist ein zentrales Anliegen des Fremdsprachenunterrichts (Hutterli, 2012, S. 12; Martinez, 2019, S. 124). Empirische Studien zur Wirksamkeit der ISD fehlen jedoch bislang (Berthele, 2018, 2019; Berthele et al., 2017; Schmelter & Göbel, 2025).
Die Dissertation geht deshalb der Frage nach, inwiefern die Sprachlernbewusstheit der Gymnasiast*innen im Rahmen der ISD im Französischunterricht gefördert wird. Zu diesem Zweck wurden Daten der vom Schweizerischen Nationalfond (SNF) finanzierten experimentellen Interventionsstudie Mehrsprachigkeitsdidaktik im Französischunterricht der Schweizer Gymnasialstufe durch Professionalisierung von Lehrpersonen (01.09.2022-31.08.2026; Projektnummer: 100019_205020) ausgewertet. 35 Klassen wurden über ihre Französischlehrpersonen rekrutiert (N=678 Gymnasiast*innen, 1. Jahr Sek. II, Deutschschweiz, 2. Fremdsprache Französisch) und einer Kontrollgruppe (KG; N=334) sowie einer Interventionsgruppe (IG; N=344) zugeteilt. Die Französischlehrpersonen der IG nahmen an einer zweitägigen kollaborativen ISD-Weiterbildung teil und entwickelten zwölf ISD-Unterrichtseinheiten (20-45 Min.), die über ein Semester umgesetzt wurden. Mithilfe eines an den SILL-Fragebogen (Oxford, 1990) angelehnten Instruments sowie retrospektiver Aufgaben nach Hör- und Schreibaufgaben wurde vor, nach und sechs Monate nach der Intervention die selbstdeklarierte Anwendung von Sprachlernstrategien der Gymnasiast*innen erhoben. Daraus wurden indirekte Rückschlüsse auf die Sprachlernbewusstheit gezogen. Ergänzend wurden Kontrolldaten erhoben (Unterrichtsbeobachtungen, Umsetzungstreue- und Feedbackfragebogen). Ausgewertet wurde mittels Latenter Wachstumskurvenmodelle (Latent Growth Curve Analysis), Qualitativer Inhaltsanalyse (Mayring, 2022) und gemischter Modelle (Mixed-Models).
Die Kontrolldaten deuten auf eine überwiegend planmässige Umsetzung der ISD-Unterrichtseinheiten im regulären Französischunterricht hin. Die Durchführung der beiden Unterrichtseinheiten zu Sprachlern- und Kommunikationsstrategien erwies sich jedoch als anspruchsvoll (Manno & Schröder-Sura, 2026, S. 245).
Die Ergebnisse legen nahe, dass die Sprachlernbewusstheit der Gymnasiast*innen im Rahmen der ISD-Intervention im Französischunterricht nur hinsichtlich bestimmter Strategiekategorien gefördert wurde. Entgegen der theoretisch erwarteten umfassenderen Förderung (Candelier & Manno, 2023, S. 22; Neuner, 2005, S. 28), beschränkte sich die Förderung auf kognitive Strategien im habituellen Gebrauch und Kompensationsstrategien im aufgabenspezifischen Gebrauch.
Auf Basis der vorliegenden Erkenntnisse könnten in Zusammenarbeit mit Französischlehrpersonen weitere ISD-Unterrichtseinheiten für die Sekundarstufe II entwickelt und erprobt werden. Dabei sollten Sprachlernstrategien spezifischer trainiert werden. Zudem sollte die Wirksamkeit der EDK-Sprachenstrategie (2013) weiterhin empirisch untersucht werden, um eine evidenzbasierte Schulsprachenpolitik zu ermöglichen.
Literatur
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Berthele, R., Lambelet, A., & Schedel, L. S. (2017). Effets souhaités et effets pervers d’une didactique du plurilinguisme: L’exemple des interférences inter-langues. Le Français dans le monde. Recherches et applications, (61), 146–157.
Candelier, M., & Manno, G. (Hrsg.). (2023). La didactique intégrée des langues—Apprendre une langue avec d’autres langues ? Association pour le Développement de l’Enseignement Bi/plurilingue. www.adeb-asso.orgwp-contentuploads2024042023-La-didactique-Intgre-des-langues19.4.2024
EDK. (2013). Sprachenstrategie Sekundarstufe II, Strategie der EDK vom 24. Oktober 2013 für die gesamtschweizerische Koordination des Fremdsprachenunterrichts auf der Sekundarstufe II (Allgemeinbildung—Maturitätsschulen und Fachmittelschulen). Schweizerische Konferenz der Kantonalen Erziehungsdirektoren.
Hutterli, S. (Hrsg.). (2012). Koordination des Sprachenunterrichts in der Schweiz: Aktueller Stand, Entwicklungen, Ausblick. Schweizerische Konferenz der Kantonalen Erziehungsdirektoren.
Manno, G., & Schröder-Sura, A. (2026). Eine kollaborative Weiterbildung für Französischlehrpersonen der Sekundarstufe II im Rahmen einer Interventionsstudie zur integrativen Sprachendidaktik in der deutschsprachigen Schweiz. In M. Rückl, M. Oppolzer, K. Schramm, J. Hargaßner, R. Holub-Vötter, & M. Schlick (Hrsg.), Partizipation—Mehrsprachigkeit—Digitalisierung: Neue Ansätze für zukunftsfähiges Sprachenlernen. Waxmann.
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Mayring, P. (2022). Qualitative Inhaltsanalyse (13., überarb. Aufl.). Beltz. https://content-select.com/de/portal/media/view/6230dc9f-d158-4bda-a1f2-1d0db0dd2d03?forceauth=1
Neuner, G. (2005). Mehrsprachigkeitskonzept und Tertiärsprachendidaktik. In B. Hufeisen & G. Neuner (Hrsg.), Mehrsprachigkeitskonzept, Tertiärsprachenlernen, Deutsch nach Englisch (2., korr. Aufl., S. 13–34). Europarat.
Oxford, R. L. (1990). Language learning strategies: What every teacher should know. Heinle & Heinle.
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