chdidaktisches Wissen und Können von Sportlehrpersonen – eine qualitative Vertiefungsstudie

Promovierende: Jolanda Vogler, jolanda.vogler@fhnw.ch
Keywords
: Lehrerhandeln, Lehrerkompetenzen, Fachdidaktisches Wissen, PCK Sport, Sportunterricht, Wissen und Können, Professionalisierung, Vignetten, Dokumentarische Methode
Gutachtende
: Prof. Dr. Roland Messmer
Laufzeit des Projekt: HS 2015 –?

Thematische Einordnung und Fragestellung
Das Forschungsprojekt PCK-Sport zum sportdidaktischen Wissen und Können von Sportlehrpersonen untersucht das «professionalisierte pädagogische Handeln von Lehrpersonen» (Paseka & Hinzke, 2014a, S. 50). Als Referenzwerte für die vorliegende qualitative Untersuchung dienen die Daten des Teil-Projekts von Messmer und seinem Team (Laufzeit 2013-2015). Messmer & Brea (2015) gingen zu Beginn dieser Untersuchung grundsätzlich den Fragen nach, welche Kriterien und Dimensionen von fachdidaktischem Wissen und Können für angehende Sportlehrpersonen relevant sind und welche dieser Kriterien sich im Laufe der Ausbildung verändern und welche nicht.

Vorgängig wurde dabei ein Instrument zur Messung des PCK-Wertes entwickelt. Dabei wurden die Probanden per Onlinebefragung auf ihre persönliche und sportliche Biografie und anhand von Fallvignetten, auf ihre fachdidaktische Kompetenz hin untersucht. Rosenberger (2013, S. 159) schreibt, dass sich Lehrpersonen in solchen Situationen ihrem informellen, formellen, impliziten und abrufbaren Wissen bedienen. So folgte die Untersuchung dem professionstheoretischen Anspruch nach möglichst verschiedenen Handlungsalternativen in (fachdidaktisch) kritischen Fallsituationen. Diese Antworten wurden bisher quantitativ ausgewertet und bilden gemäss einem sequentiell aufgebauten Design nach Kuckartz (2014) die Voruntersuchung für diese vorliegende qualitative Untersuchung. Die Fragestellung für die Dissertation lässt sich deshalb wie folgt formulieren: Welche Systematisierung von Entscheidungsmuster lassen sich bei Sportlerpersonen in Fallsituationen erkennen?

Methode für die Datenerhebung und -auswertung
Methodisch folgt das vorliegende Projekt einem qualitativen Forschungsparadigma. Entsprechend will das Projekt nicht nur differenziertere Unterschiede oder Gemeinsamkeiten zwischen den Probanden (und Gruppen) feststellen, sondern es wird versucht die Erklärungslücken, welche die quantitative Untersuchung offen gelassen hat, zu füllen (Kuckartz, 2014, S. 78). Im Speziellen geht es darum, wie der Text und die in ihm berichtete Handlungen konstruiert sind und in welchem Rahmen das Thema (Bohnsack, 2007, S. 135), respektive eine Problemstellung bearbeitet wird. Ausgewertet werden die Daten anhand der dokumentarischen Methode. Diese Methode scheint für die Art der eigenen Fragestellung besonders geeignet. Rekonstruktive Verfahren wie die dokumentarische Methode zeichnen sich durch einen Wechsel der Analyseeinstellung vom Was zum Wie eines Textes aus (ebd.). Die drei von Bohnsack (2007) ausdifferenzierten Arbeitsschritte der dokumentarischen Methode werden von Paseka und Hinzke (2014b, S. 20) durch einen vierten ergänzt, den sie als tertia comparationis bezeichnen. Dabei wird die Art der Bearbeitung der gestellten Aufgabe und die Logik, welche «die konjunktiven Erfahrungsräume der Befragten markieren» analysiert (ebd.). Diese Informationen können erneut mit den einzelnen Untersuchungsgruppen in Verbindung gebracht und verglichen werden.

Erwartete Resultate und Thesen
Es wird erwartet, dass sich in der vorliegenden Untersuchung in Bezug auf die Probanden und in Bezug auf unterschiedliche Ausbildungssysteme verschiedene Wissensarten und Denkmodi nachweisen lassen, die wiederum auf differenzierte Entscheidungsmuster hindeuten. Aufgrund dieser empirischen Daten können die bereits zahlreich existierenden Kompetenzmodelle für Sportlehrpersonen in Aus- und Weiterbildung verändert und nutzbar gemacht werden. Eine Herausforderung des Projekts wird es sein, den einen allgemeinen Dokumentsinn (den modus operandi) des Datenmaterials zu identifizieren, der sich von einem subjektiven Deutungsmuster unterscheidet.

Wichtige Literatur
Bohnsack, R. (2007). Rekonstruktive Sozialforschung. Einführung in qualitative Methoden. (6. Auflage). Farmington Hills: Verlag Barbara Budrich.

Craig, C. J. (2011). Narrative inquiry in teaching and teacher education. Advances in Research on Teaching, 13, 19-42.

Kuckartz, U. (2014). Mixed Methods Methodologie, Forschungsdesigns und Analyseverfahren. Wiesbaden: Springer VS.

Messmer, R., & Brea, N. (2015). Fachdidaktisches Können von Sportlehrpersonen - ein Kompetenzmodell. In U. S. Riegel, S. Sigrid & K. Macha (Eds.), Kompetenzmodellierung und Kompetenzmessung in den Fachdidaktiken (pp. 79-93). Münster: Waxmann.

Messmer, R. (2011). Ordnungen der Alltagserfahrung – Neue Ansätze zum Theorie-Praxisbezug und zur Fallarbeit in der Lehrerbildung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.

Paseka, A., & Hinzke, J.-H. (2014a). Fallvignetten, Dilemmainterviews und dokumentarische Methode: Chancen und Grenzen für die Erfassung von Lehrerprofessionaliät. In Lehrerbildung auf dem Prüfstand. 7 (1) (pp. 46-63).

Paseka, A., & Hinzke, J.-H. (2014b). Der Umgang mit Dilemmasituationen. Ein Beitrag zu Fragen der Professionalität von Lehrpersonen und Lehramtstudierenden. In: Zeitschrift für interpretative Schul- und Unterrichtsforschung (ZISU), 3, 14-28.

Rosenberger, K. (2013). Differenzierungsfähigkeit bei Lehramtstudierenden. Eine Vignettenstudie. Wiesbaden: Springer.

Scherler, K. (2008). Sportunterricht auswerten. Eine Unterrichtslehre. Hamburg: Czwalina.

Shulman, L. S. (1987). Knowledge and Teaching: Fondation of the New Reform. Harvard Educational Review. (Vol 57, 1/87) , 1-22.