Kognitive Aktivierung von Lernenden im Sportunterricht durch kompetenzorientierte Aufgaben

Promovierende: Katja Schönfeld, katja.schoenfeld@fhnw.ch
Keywords: Kompetenzorientierte Aufgaben, Lernaufgaben, kognitive Aktivierung, kognitive Aktivität, Sportunterricht, Stimulated Recall, dokumentarische Methode
Gutachtende: Prof. Dr. Roland Messmer, Prof. Dr. Hans-Ulrich Grunder, Prof. Dr. André Gogoll
Laufzeit: HS 2016 - FS 2019

Theoretischer Hintergrund
In verschiedenen Schulfächern weisen Untersuchungen auf einen positiven Effekt von kognitiver Aktivierung auf die Leistung der SchülerInnen hin. Für den Sportunterricht gibt es kaum Belege, die auf einen Zusammenhang von kompetenzorientierten Aufgaben – im Sinn von kognitiver Aktivierung – und besseren Lernleistungen hindeuten. Doch auch im Fach Bewegung und Sport ist es dem Modell der sport- und bewegungskulturellen Kompetenz (Gogoll, 2013) zufolge wichtig, dass Lernende nicht nur Bewegungen auszuführen wissen, sondern auch nachvollziehen können, welche Aspekte der Bewegung für ein Gelingen besonders wichtig sind. SchülerInnen sollen also gemäss dem Fachmodell Sport (Messmer, 2013) nicht nur in der motorischen und technischen oder konditionellen Kompetenz gebildet werden, sondern genauso in ihren kognitiven Kompetenzen. Ein solcher kompetenzorientierter Sportunterricht fordert – entsprechend dem Angebot-Nutzungs-Modell (Helmke, 2012) – folglich ein Umdenken im Bereich der Aufgaben, welche für die Wissensvermittlung ein wichtiges Medium darstellen. Kompetenzorientierte Aufgaben bzw. Lernaufgaben erfüllen Kriterien wie Schülerorientierung und kognitive Aktivierung (Pfitzner, 2012). Das von Fankhauser und Kollegen (2015) entwickelte E-Book Aufgaben im Sportunterricht hat diese partizipativen und kognitiv aktivierenden Ansprüche an kompetenzorientierte Aufgaben aufgenommen und mediendidaktisch auf unterschiedliche Art und Weise umzusetzen versucht.
Hier stellt sich allerdings die Frage, ob kompetenzorientierte Aufgaben – wie man sie aus den konventionell kognitiven Fächern kennt – dem Anspruch der kognitiven Aktivierung der SchülerInnen im Sportunterricht gerecht werden. Ziel der Untersuchung ist es herauszufinden, ob und wie kompetenzorientierte Aufgaben im Sportunterricht die kognitive Aktivität der SchülerInnen fördern und welchen Einfluss die kognitive Aktivierung durch die Lehrperson auf die kognitive Aktivität der SchülerInnen hat.

Fragestellung
Welche Faktoren beeinflussen in kompetenzorientierten Aufgaben die kognitive Aktivität der Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I im Sportunterricht?
Dabei wird die Fragestellung zwecks Datentriangulation aus mehreren Perspektiven untersucht, nämlich a) aus Sicht der SchülerInnen, b) aus Sicht der Lehrpersonen und c) im Bezug zur motorischen und technischen Kompetenz (Messmer, 2013).

Thesen
Inhalt der Aufgabe und Art der Aufgabenstellung spielen eine zentrale Rolle bei der kognitiven Aktivierung von SchülerInnen. Entscheidend ist also die Ausgangslage und Herangehensweise einer Aufgabe, wie auch das Medium, mit welchem die Aufgabe den SchülerInnen gestellt wird. Zudem hat die Lehrperson einen wichtigen Einfluss darauf, wie im Unterricht mit den Aufgaben umgegangen wird und so die SchülerInnen auch durch die Lehrperson kognitiv aktiviert werden.

Methodisches Vorgehen
Fünf Sportlehrpersonen unterschiedlicher Schulsportklassen der Sekundarstufe I führen eine kompetenzorientierte Aufgabenreihe gemäss dem E-Book Aufgaben im Sportunterricht (Fankhauser et al., 2015) zum Thema Hochsprung durch. Dabei wird eine ausgewählte Lektion gefilmt: (i) die Gesamtperspektive mithilfe einer Digitalkamera, (ii) die persönliche Perspektive der Lehrperson sowie (iii) diejenige einiger ausgewählter SchülerInnen mithilfe von Videobrillen. Aus dem Filmmaterial werden anschliessend Unterrichtssequenzen ausgewählt, welche in einem Einzelgespräch mit der Lehrperson sowie in Gruppengesprächen mit den SchülerInnen als Gedankenstütze beziehungsweise als Stimulus entsprechend der Stimulated Recall Methode dienen. So sollen die Lehrperson und SchülerInnen durch Wiederholung ihrer visuellen und akustischen Wahrnehmungen in die Lage versetzt werden, sich zu ihren damaligen Denkprozessen zu äussern.
Durch die verschiedenen Filmperspektiven und damit unterschiedlichen Sichtweisen zu ausgewählten Unterrichtssequenzen wird auf eine Datentriangulation und damit eine Gegenüberstellung von kognitiver Aktivierung und kognitiver Aktivität hingearbeitet.
Die aufgezeichneten Gespräche werden anschliessend mithilfe eines Transkriptionssystems (TiQ) verschriftet und gemäss der dokumentarischen Methode nach Bohnsack ausgewertet.

Literatur
Fankhauser, D., Ferrari, I., Huber, C., Messmer, R., Moshfegh, Y., Plattner, M., Steinegger, A. (2015). Aufgaben im Sportunterricht. Kompetenzorientierte Aufgaben für den Sportunterricht auf der Sekundarstufe I und II. Bundesamt für Sport (BASPO), Päd. Hochschule FHNW, Päd. Hochschule ZH.

Gogoll, A. (2013). Sport- und bewegungskulturelle Kompetenz. Zur Begründung und Modellierung eines Teils handlungsbezogener Bildung im Fach Sport. Zeitschrift für sportpädagogische Forschung, 1(2), 5-24.

Helmke, A. (2012). Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität. Diagnose, Evaluation und Verbesserung des Unterrichts. Seelze: Klett-Kallmeyer.

Messmer, R. (2015). Lesarten eines Schulfachs. In R. Messmer (Ed.), Fachdidaktik Sport (pp. 13-48). Bern: Haupt.

Pfitzner, M. (2012). Aufgabenkultur im Sportunterricht – von etablierten Methoden des Sportunterrichts und Lernaufgaben. In A.-C. Roth, E. Balz, J. Frohn, & P. Neumann (Eds.), Kompetenzorientiert Sport unterrichten. Grundlagen – Befunde – Beispiele (pp. 53-66). Aachen: Shaker.