Englisch außerhalb des Klassenzimmers: Der Effekt von Medienkonsum auf die Englischkompetenzen junger Lernender: Eine bildungssoziologische Studie im Rahmen des Forschungsprojektes MEWS

Promovierende: Maleika Krüger, maleika.krueger@unibas.ch
Keywords: Außerschulisches Lernen, neue Medien, Englisch als Fremdsprache, medialer Habitus
Gutachtende: Prof. Dr. Stefan Keller, Prof. Dr. Regula Leemann
Laufzeit: Januar 2016 - Januar 2019

Die geplante Dissertation ist Teil der Studie „Measuring English Writing at Secondary Level“ (MEWS), welche sich mit der Untersuchung von Einflussfaktoren der Schreibkompetenz von Schülerinnen und Schülern zum Ende der Sekundarstufe II in der Schweiz und Deutschland beschäftigt (SNF-DFG Lead Agency Projekt, Leitung Stefan Keller und Olaf Köller). Da Englisch heutzutage in unserer globalisierten Welt ein immer größerer Stellenwert als lingua franca zukommt, werden Englischkompetenzen daher zu einer wichtigen Form des transnationalen Humankapitals (Medrano, 2014; Carlson, Gerhards & Hans, 2016). In dem Zusammenhang wird auch das Schreiben längerer englischer Texte im Allgemeinen und englischer Aufsätze im Speziellen eine wichtige Kompetenz (Keller, 2013; Porsch & Köller, 2010).

MEWS untersucht daher als eine der ersten großangelegten Studien in der Schweiz und Deutschland speziell das Schreiben von englischen Essays in der Sekundarstufe II. Datengrundlage ist dabei eine angestrebte Stichprobe von N=3000 Schülerinnen und Schüler aus Deutschland (Schleswig-Holstein, N=1.500) und der Schweiz (AG, BS, BL, SO, ZH, N=1.500) zwei Jahre vor dem Abitur/der Matura. Neben dem Schreiben werden die Lese- und Hörkompetenz und kognitiven Fähigkeiten der Lernenden sowie eine Reihe von Hintergrundinformationen erfasst, darunter auch Informationen zur familiären Herkunft und dem außerschulischem Englischgebrauch. Das Forschungsinteresse der hier angestrebten Dissertation liegt dabei vor allem in dem Zusammenhang von Englischkompetenzen und dem außerschulischen Kontakt mit Englisch als Fremdsprache (EFL) sowie dem familiären Hintergrund der Lernenden.
Durch den technischen Fortschritt haben sich in den letzten Jahren zahlreiche neue Kontaktmöglichkeiten zu EFL im Alltag aufgetan: Gerade durch den Ausbau des Internets bietet sich nun eine Vielzahl an neuen Möglichkeiten mit Menschen aus anderen Ländern zu kommunizieren und Unterhaltungsangebote in englischer Sprache zu konsumieren, ohne das eine weite Reise oder hohe finanzielle Kosten aufgewendet werden müssen (Carlson, Gerhards & Hans, 2016; Medrano, 2014). Diese neuen Medienangebote könnten daher eine exzellente Möglichkeit für außerschulisches Lernen der englischen Sprache bieten.
Die empirische Befundlage steht in diesem Bereich zwar noch am Anfang, doch erste Studien konnten bereits einen positiven Effekt von außerschulischem Kontakt aufzeigen (u.a. Black, 2005; Gee, 2007; Sundqvist, 2008; Sundqvist, 2009; Sundqvist, 2012; Sylvén & Sundqvist, 2012; Sundqvist & Sylvén, 2014; Kuppens, 2010). Lernende kommen auf diesem Wege auf spielerische und informelle Weise in Kontakt mit der englischen Sprache und können darüber hinaus ihre sozialen und interkulturellen Fähigkeiten in einem anglophonen Umfeld stärken. Die Freiwilligkeit dieser Tätigkeiten und der hohe Unterhaltungswert stellen dabei einen starken intrinsischen Motivationsfaktor dar. Umso erstaunlicher ist es, dass es sowohl in Deutschland wie in der Schweiz bisher an empirischen Studien zu diesem Thema fehlt. Die vorliegende Dissertation strebt daher an, diese Forschungslücke zu schließen.
Dabei ist zu beachten, dass der Medienkonsum und das Freizeitverhalten nicht losgelöst vom sozialen Kontext der Lernenden betrachtet werden können. Da Bourdieus Habituskonzept „die gesamte innere und äußere Haltung einschließt, sind praktisch im gesamten Verhaltens- und Handlungsrepertoire der Akteure Habitusspuren enthalten.“ (Bremer & Teiwes-Kügler, 2013: 102). Geschmack und Vorliebe für Dinge wie Kunst, Musik und eben auch Medienangebote müssen daher gleichsam als „Geschenk“ der Herkunft gesehen werden (Alderson, Junisbai & Heacock, 2007). Es lässt sich in diesem Zusammenhang also durchaus von einem schichtspezifischen medialen Habitus sprechen (Biermann, 2009; Kommer, 2013).
Zusammenfassend lassen sich die oben beschriebenen Überlegungen in vier Forschungsfragen bündeln:

1) Inwieweit kommen Jugendliche in der Schweiz und Deutschland außerhalb der Schule in Kontakt mit Englisch?
2) Wirkt sich dieser Kontakt positiv auf die Englischkompetenz aus?
3) Welche Rolle spielt der soziale Hintergrund in Bezug auf Intensität des Medienkonsums, Medienwahl und Konsumgründe?

Quellen
Alderson, A.S.,  Junisbai, A., & Heacock, I. (2007). Social status and cultural consumption in the United States. Poetics. 35 (2–3). S. 191–212

Biermann, R. (2009). Die Bedeutung des Habitus- Konzepts für die Erforschung soziokultureller Unterschiede im Bereich der Medienpädagogik. Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung. 17. S. 1-18

Black, R.W. (2005). Access and affiliation: The literacy and composition practices of English-language learners in an online fanfiction community. Journal of Adolescent and Adult Literacy., 49 (2), 118-128.

Bremer, H. & Teiwes-Kügler, C. (2013). Zur Theorie und Praxis der "Habitus-Hermeneutik«. In Brake, A., Bremer, H.und Lange-Vester, A.(Hrsg.). Empirisch Arbeiten mit Bourdieu. Theoretische und methodische Überlegungen, Konzeptionen und Erfahrungen (S. 93–129). Weinheim: Beltz Juventa.

Carlson, S., Gerhards, J. & Hans, S. (2016). Klassenlage und transnationales Humankapital. Wie Eltern der mittleren und oberen Klassen ihre Kinder auf die Globalisierung vorbereiten. Wiesbaden: Springer Fachmedien.

Gee, J. P. (2007). What video games have to teach us about learning in literacy. Revised and updated edition. New York, NY: Palgrave Macmillan.

Keller, S. (2013). Integrative Schreibdidaktik Englisch für die Sekundarstufe. Theorie, Prozessgestaltung, Empirie. Giessener Beiträge zur Fremdsprachendidaktik. Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag GmbH. (Habilitation; SNF grant Nr. 100014-122467).

Kommer, S. (2013). Das Konzept des ‚Medialen Habitus‘: Ausgehend von Bourdieus Habitustheorie Varianten des Medienumgangs analysieren. Medienimpulse 4. Online unter www.medienimpulse.at /articles/view/602.

Kuppens, A.H. (2010). Incidental foreign language acquisition from media exposure. Learning, Media and Technology 35(1), 65-85.

Medrano, J.D. (2014). The Socio-Economic Returns of Fleuncy in english as a Foreign Language. In Gerhards, J. et al (Hrsg.), Globalisierung, Bildung und grenzübergreifende Mobilität (S. 239- 257). Wiesbaden: Springer Fachmedien.

Porsch, R. & Köller, O. (2010). Standardbasiertes Testen von Schreibkompetenzen im Fach Englisch. In W. Bos, E. Klieme & O. Köller (Hrsg.), Schulische Lerngelegenheiten und Kompetenzentwicklung.  Festschrift für Jürgen Baumert (S. 85-104). Münster: Waxmann.

Sundqvist, P. (2008). Extramural input. 9th graders’ exposure to English outside the classroom. In S. Granath, B. Bihl and E. Wennö (Eds.), Fönster mot språk och litteratur (S.95-108). Karlstad: CSL (Centrum för Språk- och litteraturdidaktik)/Karlstad University Press.

Sundqvist, P. (2009). The impact of spare time activities on students’ English language skills. In S. Granath, B. Bihl and E. Wennö (Eds.), Vägar till språk - och litteratur (S.63-76). Karlstad: CSL (Centrum för Språk- och litteraturdidaktik)/Karlstad University Press.

Sundqvist, P. (2012). Informal learning of English among young learners: Report from a one-year project in preschool class, grade 3, and grade 6.     In Allströn, I.M. & Pinter, A.-M. (Hrsg.), Englisch for Young Learners-Forum. Proceeding from the Conference in Uppsala, 19 Juna 2012 (S.122- 132). Uppsala: Center for Prefessional Development and Internationalisation in Schools

Sundqvist, P. & Sylvén L. K. (2014). Language-related computer use: Focus on young L2 Englisch learners in Sweden. ReCALL, 26, S. 3-20

Sylvén, L.K. & Sundqvist, P. (2012). Similarities between playing World of Warcraft and CLIL. Apples - Journal of Applied Language Studies, 6(2), 113-130.